Der Toggenburger im Mai 2004

Ricken/Wattwil: Bequem und gewichtig sitzt er im Sessel seines Wohnzimmers, der Ulisbacher Armdrücker Doan Simsek. Auf der Sessellehne und dem rechten Oberschenkel ruhen die beiden neuen Trophäen: Schweizer Meister 2004 im Armsport der Kategorie bis 110 Kilogramm. Zwei sind es, weil er die Meisterschaft in Sirnach rechts wie auch links gewonnen hat, also gegen verschiedene Gegner beidseitig Titelträger wurde - beziehungsweise geblieben ist. Bereits im letzten Jahr gelang dem Ulisbacher nach intensivem Training des linken Arms das Kunststück, sich erstmals zwei Meisterschafts-Trophäen zu erkämpfen.......




Insgesamt sechs Titel

Doan Simsek betreibt den Armsport, das Armdrücken seit etlichen Jahren. trat in dieser Zeit in verschiedenen Gewichtsklassen an und hat mittlerweile sechs Titel an Schweizer Meisterschaften erzielt. Dass ihm die Titelverteidigung in diesem Jahr gelungen ist, freut ihn ganz besonders. „lch hatte in der Zeit vor dem Wettkampfwochenende relativ wenig Gelegenheit zum Trainieren und konnte mich eigentlich nicht optimal vorbereiten – so wie ich das sonst gewohnt bin“, weiss er zu berichten. „Ich fühlte mich auch nicht so richtig durchtrainiert und ging mit gemischten Gefühlen in diese Meisterschaft. Dass ich schlussendlich doch auf beiden Seiten wieder Meister im meiner Kategorie geworden bin, ist natürlich schon toll - aber es war auch nicht so ganz einfach.“

Niederlage In der Vorrunde

Linksseitig hatte Doan Simsek in Sirnach keinerlei Probleme. Alle vier Vorrundenkämpfe fielen zu seinen Gunsten aus, und damit hatte er sich bereits für den Final am Sonntag qualifiziert. Sein Gegner im Schlusskampf war Claudio Biderbost, sein Vereinskollege vom Armsportclub Ricken. Die beiden Finalisten schenkten sich nichts, doch schlussendlich blieb der Ulisbacher Sieger und hatte den ersten Titel verteidigt. Ganz anders verlief dann der Wettkampf rechtsseitig. In dieser Vorrunde konnte Simsek nur drei Kämpfe gewinnen, er unterlag gegen den Fribourger Nicola, der am Tag darauf sein Finalgegner werden sollte. Aufgrund dieser einen Niederlage musste der Ulisbacher ein weiteres Mal antreten, um sich für den Titelkampf zu qualifizieren. Im Halbfinal traf er ebenfalls auf einen Fribourger, doch dieser hatte gegen Simsek wenig Chancen und war nach kurzer Zeit besiegt.

Kampf über zehn Minuten

„Der Final gegen Nicola war dann eine rechte Tortur“, berichtet Doan Simsek. Bei der Schilderung des Ablaufs nimmt die rechte Hand unwillkürlich Wettkampfhaltung ein, als ob sie den Gegner fest in den Griff bekommen wolle. Gleichzeitig spannt sich die Armmuskulatur unter dem Ärmel des T-Shirts, sofern eine zusätzliche Spannung dieser Muskelpakete überhaupt zu erkennen ist. “Wir hatten uns fest im Griff“, erklärt der erfolgreiche Armdrücker, „keiner wollte auch nur einen Millimeter nachgeben. Als ich schon fast glaubte, Nicola würde mich ein zweites Mal bezwingen, mobilisierte ich alle Kräfte und konzentrierte mich noch einmal.“ Und dann war es tatsächlich geschafft. Mit aller Kraft drückte Simsek den Arm seines Gegners nach unten, bis dieser den Boden berührte - der Kampf war entschieden, und damit auch der zweite Titel verteidigt. Stolz und glücklich zugleich nahm er später an der Siegerehrung die beiden Trophäen entgegen und gratulierte den beiden Athleten, die mit ihm auf dem Podest standen. Zu ihnen gehörte schliesslich auch sein Vereinskollege Claudio Biderbost, der linksseitig Vizemeister geworden Ist. Gefreut hat es den Ulisbacher ausserdem, dass in der Kategorie bis 70 Kilogramm zwei Armsportler des Rickener Vereins den Final bestritten. Der Sieger hiess Stefan Hüppi.

WM-Teilnahme als Ziel

Mit der erfolgreichen Teilnahme an der Schweizer Meisterschaft ist die Saison für Doan Simsek noch nicht beendet. Zurzeit versucht er einige Kilos abzunehmen und sich dann auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten. „Die WM wird Ende Oktober in Südafrika stattfinden“, sagt er, „und in der Kategorie bis 100 Kilogramm rechne ich mir mehr Chancen aus.“ Anmelden könnte er sich gang problemlos über den Verband, ein wichtiger Punkt für seine Entscheidung ist die Finanzierung. „So ein Start will gut überlegt sein“, beurteilt er die Lage realistisch, „denn allein der Flug an die WM kostet schon eine Menge“. Doan Simsek will diese aber auf jeden Fall im Auge behalten und Sponsoren suchen. (Reinhard Hollenstein)